Komm und sieh selbst!” Das war 1987. Mein serbischer Freund Branko, kurzzeitig Student in den Niederlanden, musste in ein Land, in dem er für sich keine Zukunft sah, zurückkehren. Ich war damals 22 Jahre alt. Mit meinem Kunstakademie-Diplom fast in der Tasche lag mir gerade meine Welt offen zu Füßen. Branko fand das ungerecht. Bis dahin war meine einzige Ost-Erfahrung eine Klassenfahrt nach Berlin gewesen. Was wusste ich denn schon? Ich nahm Brankos Einladung an und besuchte ihn in Belgrad. Dort begann meine große Reise durch Ost-Europa, Russland und die anderen Länder der ehemaligen Sowjetunion. Grund gab es genug, denn es würden bewegte Zeiten werden. Jahrelang reiste ich hin und zurück, bis ich 2003 beschloss, einen anderen Weg einzuschlagen.

Meine Fotos wurden in Zeitungen veröffentlicht. Die waren zu der Zeit hauptsächlich schwarz-weiß gedruckt, also waren meine Fotos das auch. Ich bemühte mich nach Kräften, nicht schwarz-weiß, Ost-West zu denken, weniger Meinungen zu verkünden, als einfach um mich zu schauen. In Zeiten großer Nachrichten brachte ich Bilder von Machthabern, Demonstrationen, Opfern und der Gewalt. An anderen Tagen machte ich Geschichten vom Alltag. Das normale Leben im Osten wurde damals im Westen als etwas Besonderes gesehen. 

Inzwischen ist viel verändert: für die Menschen aus dem Westen scheint der Osten nicht mehr so ungewöhnlich zu sein und die Menschen aus dem Osten blicken nicht mehr alle unbedingt freundlich Richtung Westen. 

Kürzlich öffnete ich gemeinsam mit Svea Gustavs, geboren als Bürger der Deutschen Demokratischen Republik, ein paar Kartons. Und aus dem, was dort zum Vorschein kam, stellten wir dieses Buch zusammen. Es ist für die Menschen, die es angeht, gemacht, für diejenigen, die es selbst erlebt haben oder deren Eltern, die beteiligt waren. Es enthält Geschichten über die viele auseinander laufende Meinungen verkündet werden. Und ich? Ich war und bleibe ein Außenstehender, ich stand daneben und sah hin.

“Then come and see for yourself!” It was 1987 and my Serbian friend Branko, temporarily in the Netherlands as a student, had to return to a country where he could see no future for himself. I was 22 years old, close to graduating from art school and the world was indeed my oyster. Branko thought that was unfair. At the time, my only experience with the Eastern block was a school trip to Berlin, so what did I know? I accepted Branko’s invitation and visited him in Belgrade. That was the start of my grand tour through Eastern Europe, Russia and other countries of the former Soviet Union. There were plenty of good reasons for this as it was to become a time of great upheaval. For years I travelled to and fro until in 2003 I decided to take a different path.

My photos were published in newspapers. At that time they were predominately printed in black and white and therefore my photos were too. I tried hard not to view the world in black and white or to think in terms of East and West, not to express too many opinions but just be observant of the world around me. During times of major news stories I submitted images of leaders, demonstrations, victims and the violence. On other days I submitted stories reflecting daily life. This day-to-day life in the East was at the time viewed as something extraordinary in the West.

Much has changed in the meantime: to the people in the West, the East is no longer so special and the people in the East are no longer looking so enviously towards the West.

Recently I opened some boxes together with Svea Gustavs, born as a citizen of the German Democratic Republic and from the contents of these boxes we are working on a book. It will be made for the people it is about, for those who lived through it or their parents who were involved in it. They are the histories about which many divergent opinions are expressed. And I? I was and remain an outsider; I was there and I looked around.

To be published in 2013 in Russian, German and English.
Weiw


 

This is the web site of photographer and film maker Leo Erken.

You can buy the book Ulitza Street Strasse
here

 

 

 

Leipziger Buchmesse 14-17 März 2013.

Stand E 506 in Halle 3, buch + art.

Freitag, 15. März um 19 Uhr in der Galerie Koenitz, Dittrichring 16, Innenstadt Leipzig
Buchpräsentation Leo Erken: Ulitza – Straße. Ekkehard Maaß singt Lieder des Moskauer Dichtersängers Bulat Okudschawa (1924 – 1997).

Sonnabend, 16. März um 19 Uhr in der Galerie Queen Anne, Spinnereistraße 7, Baumwollspinnerei Leipzig. Gespräch und Fotoschau Leo Erken

Zaterdag 23 maart 17.00-20.00 uur: presentatie Ulitza Street Straße in Foam, Fotografiemuseum Amsterdam Keizersgracht 609 Amsterdam. De presentatie wordt begeleid door de performance Pelmenestrojka van Ola Lanko samen met andere jonge fotografen en kunstenaars uit Oost Europa, Oekraïne en Rusland.